WAS IST DA LOS ?

19.04.2008

Die Geschichte Tibets beginnt mit dem Dalai Lama. Der will nichts außer Gewaltfreiheit. China hat diesem gütigen Onkel sein Volk entrissen und ihn aus Tibet rausgejagt. Jetzt sind plötzlich ganz viele Chinesen in Tibet die Mönche Verprügeln, Menschenrechte verletzen und die tibetisch Kultur, die nur der Dalai Lama richtig erklären kann kaputt machen. Die Situation ist so schlimm, dass sogar junge tibetische Mönche gewaltsam werden, was ja gegen ihre buddhistisch Natur ist. Aber das mit der Gewalt ist wahrscheinlich eh nur chinesische Propaganda.

Mit diesen Sätzen halte ich die Tibet-Nachrichten westlicher Medien recht vollständig zusammengefasst. Alpinsportnachrichten vernachlässige ich jetzt mal.

Natürlich ist allseits bekannt, dass chinesische Nachrichten streng zensiert und tendenziös lanciert werden. Allerdings scheinen sich die “freien” Medien darauf beschränkt zu haben, chinesische Nachrichten ins Gegenteil zu verkehren. Dabei wird so sorgfältig vorgegangen, dass sogar der streng, faktisch wirkende Stil um den sich die chinesische Seite bemüht in in eher emotionalen Nachrichten auf westlicher Seite endet.

Spass beiseite. “Die Deutschen können nicht reiten” (Bismark). Sie folgen entweder dem einen oder dem anderen Extrem. Das Bismark damals recht hatte muss ich jetzt hoffentlich nicht weiter erläutern. Offensichtlich folgt der gesamte Westen gerade dem Dalai Lama. Seine Lösung zum Tibetkonflikt ist genau das was die Welt braucht, was China da macht is inakzeptabel. Basta – wäre hier noch anzufügen, falls Fanatiker die Lupenreinheit seines demokratischen Wesens durch fragendes Nachbohren in Zweifel ziehen möchten.

Man gestatte mir dennoch ein paar Fragen:

Wäre es nicht klug, zu versuchen die ganze Geschichte Tibets in die Meinungsbildung zu diesem Konflikt einzubeziehen, schließlich gab es schon vor der Eroberung Tibets durch die Volksrepuplik China ein Stück Tibetischer Geschichte (auch nicht ganz unblutig) ?

Wäre es nicht klug, mit einer neutralen Berichterstattung, die versucht beide Seiten zu beleuchten China die stärke der Pressefreiheit zu demonstrieren?

Könnte der Mißbrauch des Patriotismus der durch die einseitige Berichterstattung ermöglicht wird und mit dem die chinesische Regierung ihre anhaltende Schwäche und den Vertrauensverlust des Volkes kaschiert die Demokratie in China schwächen?

Gibt es in der unzensierten Welt ebenso keine Nachrichten darüber dass in Tibet, bedingt durch den Buddhismus die härteste Christenverfolgung in ganz China stattfindet? (ich bin zwar kein Fan, aber die einzigen offiziellen Nachrichten darüber konnte ich bei Idea finden: Keine Religionsfreiheit auf dem “Dach der Welt”

Hat man in Deutschland beim regen Austausch mit dem Dalai Lama zur Kenntnis genommen, dass der Buddhismus die Konversion zu anderen Religionen verbietet und dies auch vom Dalai Lama entschieden vertreten wird?

Stimmt diese Einstellung mit Artikel 18 der Menschenrechte überein?

Was halten die Europäischen Staaten vom Prinzip der Trennung von Kirche und Staat? Ist es richtig ein Religiöses Staatsoberhaupt zu favorisieren.

Ist ein Buddhistischer Gottesstaat eine adäquate Möglichkeit, Menschenrechte in Tibet zu garantieren?

Sollten die Deutschen nicht besonders darauf achten, nicht irgendwelchen Führern hinterherzulaufen?

Denkt man im Land der Dichter und Denker noch über eigene Lösungen nach? Hat sich die Dichtkunst von der Poesie zur Presse verschoben?

übrigens vermisst auch Ai Wei Wei eine “tiefergreifende Berichterstattung”

  • Die AKREF
    Arbeitskreis für Religionsfreiheit -
    Menschenrechte – verfolgte Christen
    der Deutschen Evangelischen Allianz
    Pfr.Dr.Paul C. Murdochbietet einen hochinteressanten Newsletter über den aktuellen Stand der Christenverfolgung Weltweit an:
  • E-Mail bestellen: senden Sie bitte eine leere Mail an listmgr@ead.de mit dem “Betreff”:subscribe akref-nachrichten

Hier einer der aktuellen Beiträge zur Situation in China,

China: Erhöhter Druck auf Hauskirchen und ausländische Christen im
Vorfeld der Olympischen Spiele

AKREF/PCM/14.03.2008 – Wie die China Aid Association berichtet, sind 21 Hauptführungskräfte der Hauskirchenbewegung in China zu Haftstrafen in Arbeitslagern verurteilt worden. Die Kommission für “Umerziehung durch Arbeit”? der Stadt Linyi in der
Provinz Chan Dong hat dieses Urteil erwirkt, nachdem am 7. Dezember 2007 diese 21
zusammen mit 249 anderen Hauskirchenleitern im Distrikt Hedong bei einer Razzia auf einer Schulung für Hauskirchenleiter festgenommen wurden. Die anderen 249 wurde zu Geldbußen und kurzen Haftstrafen verurteilt und dann wieder frei gelassen. Die Arbeitslagerstrafen der 21 Führungskräfte rangieren zwischen 15 Monaten und drei Jahren. Das Büro für Öffentliche Sicherheit hat die Hauskirchenführungskräfte als Mitglieder eines “Bösen Kultes”? bezeichnet. Während alle Welt die Augen wegen der nationalistisch geprägten Aufstände auf Tibet gerichtet hält, werden in vielen Gebieten Chinas Hauskirchen und nicht registrierte Gemeinden unter Druck gesetzt. Wie die Baptist Press vermutet, will die Regierung ein Signal senden, das die Hauskirchen während der Olympischen Spiele keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollen.

Ausländische Arbeitnehmer in China, die sich offen zum christlichen Glauben bekennen und Gemeinschaft mit anderen Christen pflegen, erhalten zurzeit vor den Olympischen Spielen vermehrt keine Verlängerung für ihr Visum. Es wird geschätzt, dass ca. 80 % der Christen in China zu nichtregistrierten Gemeinden oder Hausgemeinden gehören. Die offizielle, anerkannte protestantische Kirche Chinas, die unter dem Namen Dreiselbst-Bewegung firmiert, zählt ca. 20 % der Christen. Auch in der katholischen Kirche gibt es eine Spaltung neben der von Rom nicht anerkannten autarken chinesischen und katholischen Kirche, die von der Regierung genehmigt ist: die romtreue Kirche im Untergrund.
Da die Christen in China bereits die 100 Millionenzahl überschritten haben, der Status der Mehrheit der Christen aber in den Augen der Regierung nicht geklärt ist, befürchtet die Regierung, dass während der Olympischen Spiele zwischen dem 8. und 24. August vor den Augen vieler internationaler Beobachter, es zu Protesten unter den Christen kommen könnte.
Die China Aid Association hat ihrem Jahresbericht für das Jahr 2007 bekannt gegeben, dass es 60 berichtete Fälle von Verfolgung an Hausgemeinden in China gab im letzten Jahr, was einen Zuwachs von 30,4 % gegenüber 2006 bedeutet. Die Zahl der von China Aid dokumentierten Einzelfälle von Unterdrückung und Verfolgung betraf 788 Personen, ein Zuwachs von 18,5 % gegenüber 2006. Die Zahl der Verhaftungen 2007 betrug 693, ein Zuwachs von 6,6 %. 16 dokumentierte Fälle von Inhaftierungen im Jahr 2007 bedeutet eine Minderung der Zahl gegenüber 2006 um 5,9 %. Wenn man jetzt die 21 Langzeitstrafen vom Anfang dieses Jahres vergleicht, dann bedeutet das einen deutlichen Anstieg.

Weit besorgniserregender ist die große Dunkelziffer der Fälle, die nicht durch die Gerichte
gegangen sind, sondern von Polizei oder Kader physisch und seelisch missbrauchten Christen in Verhören und gewalttätigen Übergriffen. Es gab 2007 17 dokumentierte Fälle, wo Christen um ihres Glaubens willen geschlagen oder anderweitig gefoltert wurden. Die Staatliche Kommission für internationale religiöse Freiheit der Vereinigten Staaten hat Präsident Bush nachdrücklich gebeten, während seines Besuchs der Olympischen Spiele im August ein Treffen mit aus religiösen Gründen Gefangenen zu verlangen. Die Kommission bat den Präsidenten außerdem, eine nicht registrierte Hausgemeinde zu besuchen, um Aufmerksamkeit auf das Los dieser Christen in China zu lenken. In einer Pressekonferenz vom 28. Februar versprach der Präsident, dass er Fragen der Religionsfreiheit in China zur Sprache bringen werde, wenn er mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jen Tao im August zusammen kommt. Doch bis dahin wird die chinesische Regierung ihre Aktionen zur Unterdrückung der christlichen Präsenz in China durchgeführt haben.
Quellen: Canadian Free Press, China Aid Association, WEA, Baptist Press

Quelle: www.ead.de/akref

Lobend sei die große Anfrage, zur Religionsfreiheit von Bündnis 90 die Grünen erwähnt, ebenfalls enthalten im aktuellen AKREF Newsletter

new year trip 3

10.02.2008

Kunming 7:10 Uhr, ich sitze im KFC am Flughaven. Chinesische Neujahrsmusik nervt unheimlich, ich bin dankbar fuer meine Schalldichten Ohrstoepsel und eigene Musik. Was war ?

Do (7.Feb.). Entspannter Tag in Lijiang. Streifzuege durch die Altstadt. Lijiang ist die “Hauptstadt” der Naxi-Minderheit. Neben der farbenfrohen Tracht (der Frauen) ist noch zu bemerken, dass hier ein  MAtriarchisches System vorherrscht, was soviel bedeuted, dass die Frau die zentrale Rolle im Gesellschaftlichen Leben einnimmt. Entsprechend geht es im Family-Guesthouse “Mama Naxi” zu. Dort angekommen verliert man jegliche Kontrolle ueber die Reiseplanung. Any Question? – Ask mama. pay? – pay mama usw. jegliche Antwort des personals endet mit dem M-wort. Der “baba” tritt nur als Ticketvermittler in Erscheinung. Am Freitag morgen (8.Feb) hat man uns also einen Kleinbus zur Tigerschlucht (zum Spottpreis, versteht sich) organisiert.

Bevor es losgeht schnell noch leckere bana-pancakes (wie  Fastnachtskuechle mit Bananen belegt) fruestuecken. In eigenwilligem Englisch sorgt mama dafuer, dass wir zuerst zu essen bekommen, indem sie anderen Gaesten die pancakes mit den Worten: “no, no, tiger-people first, tiger people eat!”aus der Hand reist. Wir, eine lose Gruppe von 7 Leuten, werden in einem kleinbus nach Qiatou gebracht. Dort startet ein wundervoller Trekking-Pfad in die Tiegerschlucht. Umgeben von 5000ern (man spuert die naehe zum Himalaya) hat der Jinsha Fluss, ein Yangzi-Zufluss eine tiefe Schlucht gegraben. Die ersten 3 Stunden geht es steil bergauf: Ein schmaler, sandig, steiniger Hoehenpfad, von dessen steil abfallenden Flanken das Rauschen des Wildwassers wiederhallt. Das Panorama ist so gigantisch, dass es sich natuerlich nicht auf ein Photo bannen laesst. Weitere 2 Stunden strammer Marsch und wir erreichen Halfway Lodge ein wunderschoen gelegenes Guesthouse mit warmer Dusche, leckerem Essen und einem Zimmer, von dessen Terasse man einen wunderschoenen Blick auf riesige Felswaende geniesst. Fuer alles zusammen gibt man hier knappe 5 Euro aus.

 Am Sa (9.Feb.) starte ich etwas frueher, da ich im Gegensatz zu Chris (Kan.) und Gerome (Fra.) die ich tags zuvor kennen gelernt habe, nur noch diesen Tag in der Schlucht verbringen werde. Der Hahn kraeht als ich mir noch schnell einen Kaffee und Pfannkuchen genehmige. Mit besten Wuenschen und der Mahnung vorsichtig zu sein verlasse ich die Halfway-Lodge-Familie. Als erster an diesem Morgen geniesse ich Gottes Schoepfung, speziell den Wasserfall, der sich direkt auf den Pfad ergiesst. Ich werde “pitschnass” jedoch durch den  starken, boeigen Wind schnell getrocknet. Nach einer Stunde abstieg, kurz eine Cola bei Tina’s tanken und dann gehts weiter abwaerts zum Wildwasser der Schlucht. Dieser Pfad ist noch steiler, fuehrt an einer Felswand entlang ueber mehrere senkrechte Leitern in die Tiefe. Unten erwarten einen die Stromschnellen, die, obwohl der Jinsha zu dieser Zeit nicht besonders viel Wasser fuehrt, beeindrucken. Pfeile markieren den “Weg” zu mehreren grossen Felsbrocken, von denen man das Wasser hautnah erleben kann. Nach einem dieser Brocken ist auch die Schlucht benannt, ueber den , der Sage nach, ein Tiger gesprungen sein soll. Die letzten Meter fuehren ueber eine provisorische Holzbruecke, die man nur mit Fuehrer begehen darf. “Die” laesst auch nicht lange auf sich warten und nimmt 10 quai. Es lohnt sich. So nah haette ich mich nie ans reissende Wasser getraut. Wir klettern an einem Felsbrocken entlang, dessen 45 grad geneigte Oberflaeche 5m neben mir ins weise Wasser taucht. Aufstieg, Taxi suchen, auf halben Preis herunterhandeln (Ich muss dazu 6x desinteressiert weggehen). Zurueck in Qiatou habe ich grosses Glueck: der Fahrer muss direkt nach Lijiang weiter und macht mir einen guten Preis.

Zurueck bei mama naxi, schockt diese mich ersteinmal mit der Nachricht, sie habe kein! Ticket fuer den Uebernachtbus nach Kunming besorgt. Morgen sei die naechste Moeglichkeit. Als ich ihr klargemacht habe, dass mein Flug am naechste Morgen von Kunming nach Yichang geht, kann sie in letzter Minute noch  auf wundersame Weise ein Ticket auftreiben. -T.I.C.- nichts ist sicher, alles moeglich. Essen, einen dicken Schmatz und ein  paar Ratschlaege zum Schutz vor Taschendieben spaeter liege ich “seit and seit” zwischen zwei Chinesen im Schlafbus. Einer zeigt im Schlaf tendenzen mich abwechselnd zu umarmen und Ellenbogen oder Knie in die Seite zu druecken.

Ich bin froh, dass es es am naechsten Morgen (10.Feb.) im Flugzeug nach Yichang wesentlich entspannter zugeht.

new year trip 2

07.02.2008

Der naechste Morgen beginnt hart. Ich stehe frueh auf. Das Hostel ist an ein Hotel angeschlossen. Dort kann man fuer 17 Yuan (1,70 EUR) Fruehstuecken. Kurz vor 6 ist das Fruehstuecksbuffet noch nicht geoffnet, also vetreibe ich mir die Zeit am Fluegel, der Hotellobby, der wunderschoen auf einer kleinen Insel, inmitten von Palmen postiert ist. Anschliessend versuche ich noch ein paar Bilder vom Instrument zu schiessen, benoetige dazu noch einen Schritt rueckwaerts und stehe ploetzlich in huefttiefem Wasser. Vom Personal unglaeubig beaeugt komme ich triefend aus der Lobby gestiefelt und trockne meine Sachen. Das Fruehstueck ist lecker, auch wenn es in nassen Schuhen genossen werden muss.

Weiter gehts: Bus-Suche. In China reist man in einer gewissen Abhaengigkeit: Man kann nichts lesen und “sprechen” ist gerade noch dazu zu verwenden, dass man jemanden  klar machen kann, wann man wohin will. Also muss man eine Balance zwischen Vertrauen und Misstrauen finden, um moeglichst viel Hilfe in Anspruch zu nehmen, und gleichzeitig nicht ueber den Tisch gezogen zu werden.

Am Busbahnhof wimmelt es von “Helfern”. Spontan lasse ich mir ein Angebot vermitteln: Und verhandle noch ein wenig. Dann gehe ich zum Schalter und merke, dass ich schonmal nicht schlecht liege. Zumindest deutlich unter dem offiziellen Preis. Also kurz einkaufen gehen und ein Hotel-WC aufsuchen (mist. auch hier nur Stehklos). 10 vor 9 bin ich wieder am Busbahnhof und suche meine Vermittlerin auf, die irgendwo unauffaellig rumsteht. Um 9 faehrt der Bus. Also schnell. Entschuldigend bemerkt Sie, dass mein Bus leider schon weg ist. Aber sie setzt sich voll ein und 5 minuten Spaeter werde ich in aller Eile in einen Bus gedrueckt. Nochmal kurz verhandeln und dann bin ich drin. Ich schaue mich um und merke: ich hab einen Schlafbus erwischt. 35 Betten in einem Bus. entsprechend eng geht es zu. An ausstrecken ist nicht zu denken. Gluecklicherweise ist er nicht voll und nur von absolut netten Fahrgaesten besetzt.

Die Fahrt wird herrlich. Sonne, blauer Himmel, Berge, Taeler, Reisterassen.
2 junge Muetter mit 3! Kindern nehmen mich quasi in die Familie auf und fuettern mich durch: Zu Beginn eine Hand voll Suessigkeiten dann suesse und gleichzeitig stark gesalzene Orangenschalen, Brot (natuerlich weissbrot, suess).
Mittags machen wir rast. Neugierig schaue ich mir das Restaurant an und werde sofort von einer der Muetter gefragt, ob ich mitessen will. -Klar, super- Natuerlich habe ich fuer diesen absoluten Hoehepunkt des Tages meine Kamera im Bus gelassen. Zunaechst suchen wir uns im Becken hinter dem Restaurant, wo bereits die Kinder froehlich mit den Fischen spielen (fangen (mit Hand), hochwerfen und ins Wasser plumpsen lassen) einen Dicken Karpfen aus. Gute Wahl, der Brocken zappelt kraeftig. Dagegen hilft in wuchtiger Wurf in den Dreck. Der Fisch ist gewaehlt und wir gehen weiter in einen Raum mit Regalen voller frischer Zutaten: Pilze, Flusskrebse, Tofu und zig Gemuesesorten. Natuerlich werde ich gefragt, was ich davon gerne esse. “Tss..mh..natuerlich esse ich alles”. Zugegebenermassen warte ich in leichter gespanntheit auf das Essen. – Es war wirklich sehr gut, aeusserst frisch und vielfaeltig.
Bei der weiterfahrt unterhalte ich mich noch ein wenig mit den Kindern und jetzt erst stellt sich heraus, dass das Paerchen, das hinter mir liegt englisch spricht. Ausser mir sind noch 3 Norweger im Bus, die wie ich das Mama Naxi Guesthouse gebucht haben.

Um 17:00 kommen wir in Lijiang an. Das Guesthouse liegt mitten in der Altstadt. steinerne Gassen und Holzhaeuser. Wunderschoen und pittoresque. Kleine Kanaele und Brueckchen, Holzstege zu den Hauseingaengen. Einer dieser Eingaenge wird aufgeschoben und ”a bunch of Laowais” empfaengt uns im Aufenthaltsraum. Typisch fuer einen Lonely Planet Geheimtip. Das Haus hat 2 Innenhoefe , die von Schlafraeumen umgeben sind. Wir bekommen einen Tisch zugewiesen und es gibt erstmal was zu essen: Fleisch. Schwein, Huhn, Rind, mal knochig, mal mager, mal fettig dazu Reis, Gemuese, Wachteleier. Wahrscheinlich waere es endlos so weitergegangen, haetten wir der “mama” nicht irgendwann einhalt geboten.

Anschliessend kurz ausruhen. Abends gibt es eine Neujahrsparty mit Fruechten und Gebaeck. Die Party wird angeheizt, indem jedes Land ein Lied anstimmen muss. Es funktioniert wunderbar und wir hoeren Lieder aus China, Korea, Deutschland, Amerika England, Israel, Kanada und Polen. (Die Norweger habe sich scheinbar verzogen).

Die Chinesischen Knallzeremonien in Lijiang kann ich nicht mehr mitnehmen, da ich ins Bett und eine leichte Erkaeltung kurieren muss.

new year trip 1

07.02.2008

 Seit Di 5.02.2008 bin ich in China unterwegs:

 Wuxi -> Shanghai -> Kunming -> Lijang -> Kunming -> Yichang -> Wuhan -> Shanghai -> Wuxi

 Am 13. will ich wieder puenktlich zur Arbeit erscheinen. Mal sehen ob das klappt. Bis jetzt sieht es gut aus. Ich sitze in Lijiang, in Mama Naxi’s Guesthouse.

Der Beginn der Reise hat am meisten Nerven gekostet. Zum Chinesischen Neujahr reist jeder Chinese nach hause, um mit der Famillie zu feiern, entsprechend schwierig war es Zugtickets zu bestellen. Allerdings war das Chaos an den Bahnhoefen weniger heftig als angekuendigt. Der einzige Zug der noch zu haben war fuhr fruemorgens nach Shanghai. Also

5:00 Uhr aufstehen um den 7:25 Uhr Zug zu kriegen.

8:00 Uhr in Shanghai. Regen, die Metro hat geschlossen. Als ich mich schliesslich zum richtigen Bus durchgefragt habe, macht auch die Metro wieder auf. Ich fahr zum trotz mit dem Bus. Spaeter Reiseplanung im Cafe und Essen

14:00 Zugticket fuer die Rueckfart loesen. Am 12. ist keins mehr verfuegbar, also verlaengere ich auf den 13. morgens und geh dann direkt zur Arbeit.

16:00 “maglev train”. In 8 minuten und 420 km/h spitze zum Flughaven, was mit dem Bus 1h dauert.

17:40 hab natuerlich mein Taschenmesser dabei, und will kein Gepaeck abgeben. Werde aber rausgezogen und muss nun doch meinen Rucksack mit dem Messer aufgeben.

18:00 boarding, jetzt machts wieder Spass. Kleine Boeing, da spuert man wenigstens das man fliegt, es gibt sogar essen und mit der Sitznachbarin laesst es sich ausgezeichnet unterhalten.

21:30 Kunming ist schoen: man konnte beim Landeanflug die Lichter der Stadt sehen, ein indiz fuer saubere Luft. Jetzt nur noch den Bus in die Stadt suchen und ein Hostel zum Uebernachten finden.

23:00 noch eine kurze und nette unterhaltung mit 2 Deutschen und einem Ami, dann falle ich todmuede ins Bett.

überwachung

28.01.2008

ubetterdontlook

Zum kotzen sind die Nachrichten, über Vorratsdatenspeicherung aus Deutschland: unter vorratsdatenspeicherung.de oder unter golem.de.

Meiner Meinung nach wird durch zunehmende Überwachung Individualität stark eingeschränkt und freie Entfaltung und Entwicklung eingedämmt sowie Vielfalt und Differenzierung innerhalb der Gesellschaft vermindert. Sie fördert Bevormundung, Entmündigung und in der Folge Antriebslosigkeit und Unaufrichtigkeit.

Mit den negativen Folgen solcher Prozesse kämpft man in China und kann sie hier auch sehr schön beobachten, wenn man einen kleinen Blick hinter die Propaganda-Fassade werfen will, was ich auch von deutschen Politikern erwarte, die noch einen Teilweise kommunistisches Deutschland erlebt haben.

Wer jetzt denkt, den Deutschen, allerdings, könne ein Überwachungsstaat, wie wir ihn bald haben werden nichts anhaben, die Deutschen haben ja schon viel „Erfahrungen gemacht“ und zudem einen ganz tollen, selbstkritischen Umgang mit der Geschichte; der möge doch bitte sein Gedankengut nach rassistischen Elementen durchforsten, denn mit genau diesem arroganten Überlegenheitsgefühl sind wir schon einmal ins Verderben geritten.

Vor allem aber wünsche ich mir, dass wir realisieren, dass die Gefahr, die zweifellos in dieser Welt lauert nicht allein von Menschen gebannt werden kann. Wir müssen uns eingestehen, dass wir Gottes Schutz, Hilfe und Weisheit benötigen, gerade wenn es um Frieden geht. Wo Menschen ohne Gott Frieden schaffen wollen, enden sie immer im Totalitären.

stäbchen

05.01.2008

Kuàizi (Stäbchen) findet man in allen Variationen: aus Jade mit Mao-Emblem oder auch spezielle Lern-Stäbchen.

MaoOutOfOrder

Nach ein paar Wochen in China, bin ich mir wirklich nicht sicher, ob Stäbchen nicht die besseren Essensaufnahme-Gerätschaften sind. Schließlich bilden sie als Greifwerkzeug die Menschliche Hand viel besser nach als Messer und Gabel. Wo kommen die denn überhaupt her? Wahrscheinlich ist unser westliches Besteck eine Miniaturisierung von Kriegsgerät, was man von Stäbchen definitiv nicht behaupten kann.

Ein weiterer Punkt: Gewicht. Stäbchen sind unschlagbar leicht. Als ich kürzlich seit langem wieder Messer und Gabel berührt habe, war es mir völlig unverständlich, wie man damit entspannt und erholsam essen kann. Gewichtheben kann man später, aber doch bitte nicht beim Essen.

Verfechter des westlichen Besteck-Kults führen immer wieder das fadenscheinige Argument auf, man könne mit Stäbchen allerdings kein ordentliches Steak (maximal medium) essen. Dem werde ich in Zukunft zweierlei entgegenhalten:

Chinesen machen sich dafür beim Schrimps essen nicht die Finger dreckig – UND – ein Steak wie man es im Wilden Westen kennt ist einfach nicht fertig zubereitet. Ein ordentlich partitioniertes Steak medium gibt es zum Beispiel beim Japaner (Tepanjaki). Wahrscheinlich hat der Koch es einfach nicht geschafft, mit seinen unzureichenden Gerätschaften das Fleisch mundgerecht zu zerkleinern, wobei wir schon beim nächsten Thema sind: Chinesiche Kochmesser

messer

05.01.2008

Chinesische Kochmesser

messer

Ein absolut herausragendes (Ess-)Kulturgut, das ich im Leben nicht mehr missen möchte ist das Beilmesser. Typischerweise hat es eine riesige, breite Klinge, natürlich eine ausgewogene Schwere, eine nur leicht gebogene Klinge und ist extrem Scharf. Ein einziges Exemplar davon ersetzt spielend den in Deutschland üblichen Messerblock, mit seinen 10 Klingen.

Neben den üblichen Aufgaben wie Fleisch schneiden oder Gemüse hacken fungiert es auch als hervorragender Knoblauchschäler: ein Schlag mit der Breitseite, die Enden der Zehe kappen und schon löst sich die oberste Schale wie von selbst. Zunächst hauchdünne Scheiben und daraus mikroskopisch kleine Würfel schneiden. Schließlich mit einem Zug übers massive Schneidebrett (vorzugsweise aus Bambus) das Gemüse auf die Klinge verladen (herzlicher Gruß an alle Tischkicker-Liebhaber) und in den Wok streichen.

Die nächste Lektion wäre dann einen kräftigen Ingwertee zuzubereiten, was sehr gut gegen Erkältung hilft. Dazu wird der Ingwer mit dem Messer geschält, in kurze Streifen geschnitten, wieder mit der Breitseite, etwas gepresst, um den Ingwersaft leichter aus der Knolle zu lösen. Wiederum auf die Klinge befördern und zusammen mit lü chà (Grüner Tee, nur ganze Blätter verwenden) im Teeglas aufbrühen.

glas

05.01.2008

Teeglas

teeglas0 teeglas1

Noch so was: glas, hoch, doppelwandig, mit integriertem Teesieb und Deckel falls man mal unterwegs ist. Denn egal wo man ist: das Teeglas ist dabei. Entsprechend gibt es auch überall heißes Wasser zum nachgießen.

klavier

03.01.2008

balloons

so. jetzt wird wieder mal was erzählt. Da hat sich ja so einiges angehäuft. Fangen wir mal bei meiner neuen Nichte an, deren Namen ich mir leider nicht merken konnte.

Eines Sonntags laufe ich durch Wuxi, wobei ich auch die obige, sensationelle Kinderattraktion (bitte nach Deutschland importieren) entdeckte. Unversehens taucht zu meiner linken zunächst ein Musikgeschäft und gleich daneben ein Klavierhaus auf!

Natürlich trete ich ein, und gebe gestikulierend zu verstehen, dass man mir, wenn möglich, eine Sitzgelegenheit zur Verfügung stellen solle. Sofort wird meinem Wunsch entsprochen, was möglicherweise meinem neu erworbenen Mantel zu verdanken ist, der leicht den Eindruck erweckt, man verkehre des Öfteren in versnobter Gesellschaft (Potentieller Klavierkäufer – Kleider machen Leute). Seit Monaten der erste Kontakt zum Klavier. Schön. Leider kann man so wenig auswendig und die Finger rosten schon seit dem Schulabgang womit auch der Unterricht endete, vor sich hin. Spaß macht es allemal, auch wenn ich mich in dieser relativen Öffentlichkeit nicht ganz fallen lassen kann.

Jetzt steht ein kleines, Mädchen neben mir und schaut mich mit großen Kulleraugen an. Ihre Englisch sprechenden Begleitung – Klavierlehrerin – wie sich später herausstellt ermuntert die 9 jährige und somit darf ich ein kleines und erstaunlich gekonntes Vorspiel genießen.

Die Klavierlehrerin, Anna, hat natürlich gleich ihren passenden englischen Namen parat, den man in China (wahrscheinlich den Laowais zuliebe) in der Schule verpasst bekommt. Die Kleine hat diesen Level wohl noch nicht erreicht, und ihr chinesischer Name will mir nicht in den Kopf. Auch mein hart auszusprechender deutscher Name hat keine Chance bei ihr. Sie lässt kurzerhand fragen, ob sie mich Onkel nennen darf. -Natürlich darf sie. Ehrensache.

Über dem Musikgeschäft gibt es eine Musikschule und ich darf an diesem Tag einen kleinen Unterrichtsraum kostenlos nutzen. (Chinesische Gastfreundschaft). Kaum habe ich begonnen lugt meine Nichte durch den Türspalt und bringt all ihre Noten- und Schulhefte mit, die sie finden konnte. Wir spielen uns gegenseitig Stücke vor und trotz der unüberwindlichen Sprachbarriere, lässt Sie es sich nicht nehmen, mir ihr Aufsatzheft komplett vorzulesen. Beschämt nehme ich Geschenke wie einen Kaugummi und sogar einen Sticker mit einem Prinzessin-Motiv entgegen ohne die Geschenke erwiedern zu können.

nichte nichteklavier