Hangzhou
04.12.2007
Rein in den Bus, die Türen schließen, mit Trillerpfeife und einer grünen Fahne wird der Bus aus dem Bahnhof manövriert. Geschafft. Ich sitze im Überlandbus Richtung Hangzhou.
Eigentlich wollte ich dieses Wochenende endlich einen Gottesdienst besuchen. Dann hat Yùn mit jedoch nach Hangzhou eingeladen. Hangzhou gilt als eine der schönsten Städte in China, also war klar, dass ich dieses Wochenende wieder unterwegs sein werde.
Schon jetzt, ehe die Reise recht begonnen hat, habe ich schon einiges erlebt. So vor zwei Tagen beim Versuch ein Busticket zu lösen, der erste Ernstfall für mein Baby-Chinesisch:
Nach der Arbeit fahre ich, 45 Minuten für 20 Cent, mit dem Linienbus zum Bahnhof. Am Schalter stelle ich mich in die Schlange und passe auf, dass sich niemand vor mich drängelt. Wenn doch der Versuch unternommen wird, gilt es mit einem Lauten „HEY“ Einhalt zu gebieten. Nun bin ich an der Reihe. Noch ehe ich ein Wort sage umringt eine Traube von Chinesen den Laowai (Fremder/Ausländer). Nun gut, ich bin ja selbst gespannt was jetzt passiert.
„Ni hao, xinqi liu wo yao qu Hangzhou“ (Guten Tag, am Samstag will ich nach Hangzhou gehen). Der Mann hinterm Schalter fängt an zu reden, was ich mit einem entschuldigenden „ting bu dong“ (verstehe nicht) quittiere. Er redet weiter „… dien…“ Aah – ein Wort – es könnte „Zeit“ bedeuten (dabei werde ich das erst nächsten Montag lernen, aber manchmal hat man so ein Gefühl…), also versuche ich „Shang wu “ (morgens) zu sagen. Eingabe in den Computer. „jiou dien …“. Ich wieder: „ting bu dong“. Der Ticketverkäufer schwenkt freundlicherweise den Bildschirm zu mir. Inmitten einer Flut von Chinesischen Zeichen entdecke ich genau 2 Zahlen: 2007 12 01 und 9:00. „dui, dui jiou dien“ (richtig, richtig, 9 Uhr), „hen hao, hen hao“ (sehr gut, sehr gut) freue ich mich. (auffällig: wer eine Sprache sehr gebrochen spricht, bläht mit Wiederholungen wenige Wortfetzen zu minutenlangen Konversationen auf)
Von hinten erfolgt ein Schulterklopfen. Angesichts der niedergerissenen Sprachbarriere halte ich das auch für durchaus angemessen. Doch nun höre ich: „Do you need help? My secretary is here, she can do it for you.“ Ich überlege kurz: diesen Triumpf möchte ich eigentlich für mich beanspruchen. Doch sicher ist sicher: “Oh, yes? That’s fine, thank you.â€? Es stellt sich heraus, dass ich am Bahnschalter war, jedoch eine Busfahrkarte – einen Schalter weiter – benötige. (Bahn: 5 Stunden fahrt, Bus 2,5 Stunden) Puh, das hat sich gelohnt. Insbesondere, da ich noch zum Tepanyaki ( feinstes Japanisches Essen) eingeladen werde.
Heute morgen dann wieder eine ähnlich Situation: Im Wartesaal des Busbahnhofs suche ich meine Busnummer, die auf elektrischen Anzeigetafeln erscheinen soll und das jeweilige Gate anzeigt. 5 Minuten vor 9 ist meine Nummer immer noch nirgends zu finden. Ich werde nervös und frage ob ich hier richtig bin. Schließlich bekomme ich die Antwort: Ja, ja, sie müssen zum westlichen Wartesaal. Ich sprinte los. Raus aus dem Bahnhofsgebäude, rechts rum, 500 meter um das Gebäude, rein in den Bahnhof, durchs Gate – Geschrei – ah, Ticket vorzeigen, einsteigen und los geht’s.
Das Wochenende in Hangzhou wird wundervoll. Yun und seine Frau Bo Feng haben einen außerordentlich interessanten Mix aus Sightseeing und Chinesischem Kulturerlebnis zusammengestellt. Die Chinesische Gastfreundschaft ist absolut „outstanding“.
04.12.2007 at 21:07
herrlich – schön geschrieben. dein chinesisch ist ja schon outstanding! respekt!
05.12.2007 at 20:41
sehr schön, sehr schön – seeehhrrrrr schööön! auch mir fehlen worte
07.12.2007 at 01:14
[...] dem Praxissemester in Wuxi, China veröffentlicht Wenzel fabulöse Geschichten (z.B. diese hier) und beeindruckende Bilder. Das macht Lust auf einen Besuch im Reich der [...]
07.12.2007 at 14:23
Beeindruckend!
10.12.2007 at 05:34
Schön! Ich musste bei jedem zweiten Satz grinsen, weil ich es sehr ähnlich erlebt habe. In China wie auch in taiwan. Vor allem diese Trennung für Lauwais hat mich immer wieder im falschen Moment überrascht. Aber die Zeichen erkennt man mit der Zeit schnell und weiß sich einzuordnen.
Weiter so! Mehr! Ich will wieder zurück…